Starsinniger Kundenservice
Seit längerem liebäugle ich mit einem kleinen digitalen Camcorder. Nichts professionelles, eher eine hochwertige Handykamera, mit der man einfache Filmchen drehen kann. Nach ein wenig Recherche im Netz standen zwei Modelle zur Auswahl: die Kodak Zi8 oder eine Cisco Flip und nach weiterer Recherche, ob ich so ein Spielzeug überhaupt brauche und ob ich sie mir überhaupt leisten kann, wollte ich sie natürlich haben. Der Versuch eine davon im Laden zu kaufen scheiterte. Selbst bei den beiden großen Elektrogeschäften der Metro Group gab es nur die veraltete Zi6 zum Preis der Zi8 und die ebenso veraltete Flip Mino (nicht HD).
Während ich dann durch die Angebote klickte, stolperte ich bei Amazon über einen erstaunlich niedrigen Gebrauchtpreis für die Zi8. Umso erfreuter war ich, dass dieses Angebot auch noch ein “Warehouse Deal” war, also eine von Amazon überprüfte und getestete Retoure zu einem günstigeren Preis. Ich konnte nicht widerstehen und bestellte.
Ich wartete einen Tag, zwei Tage, drei Tage und als schließlich die angepeilte Lieferzeit überschritten war, fragte ich doch mal nach, wann denn meine Kamera verschickt wird. In diesem Fall via Kontaktformular, da auf der Seite vor langen Wartezeiten an der Hotline aufgrund eines technischen Problems gewarnt wurde.
Die erste Antwort kam schnell: “Wir überprüfen das” in Textbausteinen.
Nach zwei Tagen erhielt ich dann die nächste Nachricht: “Ihr Liefertermin wurde geändert” in Textbausteinen. Die Begründung ebenso: “Lieferanten können nicht immer ihre Termine einhalten”. Häh?
Nicht dass ich erwartet hätte, dass es irgendetwas bewirken würde, aber ich musste dann doch mal dort anrufen. Der junge Mann entschuldigte sich zwar erst, wirkte aber leicht genervt und überfordert als ich ihm mitteilte, dass ich nicht verstehe, wie ein offensichtlich vormals vorrätiger Artikel, der laut Beschreibung auf Vollständigkeit und Funktion überprüft wurde, nun erst in 2 Wochen verschickt werden kann. Nach einer kleinen Diskussion war die Aussage letztendlich: “Wir haben keinen Einfluss auf unsere Versandlager”. Aha.
Als ich dann, mittlerweile doch verärgert, noch einmal in mein Amazon-Konto ging, um die Bestellung zu canceln, sah ich ein weiteres Angebot: wieder “Warehouse Deals”, gleiche Beschreibung, gleiche Kamera, gleicher Preis, nur eine andere Farbe. Ach ne!
Nicht dass es damit bewiesen wäre, aber unwahrscheinlich ist es sicherlich nicht, dass dort einfach ein Fehler passiert ist und man das Angebot in einer falschen Farbe eingestellt hat. Warum man mich dazu nicht einfach kontaktiert und fragt, ob ich auch damit zufrieden wäre, bleibt Amazons Geheimnis. Selbst wenn dem nicht so ist (also keine Verwechslung vorliegt), wäre es ja naheliegend gewesen, mir einfach die andere Kamera anzubieten, um die Lieferzeit einzuhalten. Und wenn das wiederum nicht möglich gewesen wäre, weil es dazu keine passenden Textbausteine gab, hätte man mich ja wenigstens an der Hotline auf das Angebot hinweisen können. Aber das hätte vermutlich zu lange gedauert und den Kundenumsatz der Hotline nach unten verschoben…
