Schachtzeichen und Ruhr 2010

Von laura, 25. Mai 2010 02:30

Momentan läuft hier im Rahmen von Ruhr 2010 ein sehr interessantes Projekt mit dem Namen Schachtzeichen. Dahinter verbergen sich mehr als 300 Heliumballone, die an ehemaligen Bergbauschächten und Zechen bis zu 80 Meter in den Himmel geschickt werden. Diese symbolische Markierung wird unterstützt von zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen, die an den jeweiligen Standorten stattfinden.

Leider wurde die Aktion heute durch eine ungünstige Witterung beeinflusst und die Ballone durften aufgrund des Windes und einer Unwetterwarnung nicht aufsteigen.

Besonders schade war das, da heute auch noch ein ganz besonderer Abend  für das Projekt war: von 22 bis 1 Uhr sollten die Schachtzeichen beleuchtet werden. Aufgrund der Wetterlage war das allerdings nur eingeschränkt möglich und die Ballone durften nur auf eine Höhe von 30m in den Himmel gelassen werden. Am nächsten Samstag (29. Mai) sollen die Nachtschachtzeichen aber erneut zu sehen sein – hoffentlich dann in ganzer Schönheit.

Wir sind jedenfalls an diesem Pfingstwochenende schon ein wenig in der Gegend herumgefahren und haben uns einige Schachtzeichen angeschaut. Die Aktionen sind nicht überall groß angelegt oder sonderlich beeindruckend, aber sie machen doch deutlich, wie viel Geschichte an so vielen kleinen Orten steckt. Dass sich an vielen alten Industriestandorten heute Industriedenkmäler befinden, ist auch über das Ruhrgebiet hinaus bekannt. Besonders bekannt ist die Zeche Zollverein, die auch 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt wurde. Abseits dieses zentralen Punktes, der in Bus und Bahn auch in englischer Sprache angekündigt wird und auch ein Logo für das ganze Ruhrgebiet ist, gibt es unzählige weitere Sehenswürdigkeiten. Ich denke gerade das kann das Projekt sehr erfolgreich darstellen.

Schon im Vorfeld der Aktion war viel Kritik zu hören. Diese reisst auch nicht ab, wenn man sich die Kommentare auf DerWesten.de oder auch ab und an auf Twitter anschaut. Hauptkritikpunkt sind die Kosten, die bei einem Preis von 5000 Euro für einen Ballon bei deutlich mehr als 150.000 Euro liegen. Dieser Punkt wird schon alleine dadurch disqualifiziert, dass ein Großteil der Ballone durch Sponsoren finanziert wurde. Auch z.B. das Gas wird von Air Liquide gesponsert. Die Helfer, die sie täglich in den Himmel schicken und bewachen, sind Freiwillige. Natürlich bleiben letztendlich Kosten übrig. Aber dies bei einem Projekt auf den Tisch zu bringen, bei dem tausende Menschen im Pott unterwegs sind, sich mit der Kultur und Geschichte der Region beschäftigen oder ganz einfach einen beeindruckenden Ausblick geniessen, ist einfach nur albern.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die Kritik der Essener Tafel an der Apfelinsel “Marking Time” im Baldeneysee. Dort sollen im Rahmen eines weiteren Projekes 20.000 frische Äpfel auf einer Plattform angerichtet werden und dort langsam verrotten. Sicherlich eine provokante Aktion, aber auch genau das, worauf der Künstler Norbert Francis Attard es anlegt. Für mich ist dieser Protest nichts anderes als eine verlogene Moral: es ist schon beeindruckend, wie viele Kritiker sich aufgrund eines geplanten Kunstwerkes zusammenfinden, um mit populistischen Parolen um sich zu werfen.

Kritik ist sicherlich auch an Ruhr 2010 erlaubt. Auch ich war insbesondere während der Planungsphase sehr misstrauisch und habe mich gefragt, was man mit den geplanten Projekten eigentlich erreichen möchte. Aber schon seit der Eröffnungsfeier im Winter bin ich gespannt auf das, was uns erwartet und beobachte, wie positiv die Projekte auch ausserhalb des Ruhrgebiets wahrgenommen werden. Eine bessere Chance, sich positiv zu präsentieren, wird es vermutlich so schnell für die Region nicht wieder geben.
Aber das spiegelt wohl auch eine Denke wieder, die offensichtlich immer mehr Menschen hier haben. Symbolisch gesprochen: man meckert, wie heruntergekommen die Spielplätze sind und lässt währenddessen den Hund in den Sandkasten kacken.

Supermarkt-Cop im Einsatz

Von laura, 20. Mai 2010 11:50

Heute morgen war ich im Supermarkt. Dass der Discounter heute eklige Tiefkühl-Hamburger im Angebot hatte, konnte ich natürlich nicht verpassen.
Auf dem Weg zur Kasse fiel dann mein Blick noch auf einen Wagen mit Gemüsepflanzen. Da musste ich gleich mal schauen, ob etwas für die Fensterbank dabei ist.
Schon auf dem Weg dorthin sah ich eine Frau, die bei eben diesen Pflanzen stand und sich mehrmals umschaute. Während ich mich letztendlich für eine Cherry-Tomate entschied, nahm sie mehrere Pflanzen heraus, begutachtete sie und stellte sie wieder hinein.
Mir kam das merkwürdig vor, insbesondere da sie sich offensichtlich beobachtet fühlte und während ich schon weiter ging, konnte ich dann im Augenwinkel erkennen, was sie vorhatte: ihre mittlerweile zwei ausgewählten Pflanzen knickte sie beiläufig mit dem Daumen um und ging zur Kasse. Ich stellte mich gleich hinter ihr an.
Wahrscheinlich ist schon klar, was nun kommt:  die Frau weinte der Kassiererin vor, wie arm und gebeutelt doch die Pflanzen sind und dass sie sich nun erbarmen würde, sie mit nach Hause zu nehmen. Natürlich nicht ohne den unglaublich großzügigen Vorschlag, dafür noch ein “paar Cent” zu zahlen. Glücklicherweise ging die Kassiererin gar nicht darauf ein und sagte: “Ich kann die nicht reduzieren. Ausserdem sind das Jungpflanzen, die wachsen noch.”. Glücklicherweise deshalb, weil ich nicht gewusst hätte, wie ich im anderen Fall reagiert hätte: laut sagen, was ich da beobachtet habe oder einfach die Klappe halten?
Da wenig los war, habe ich die Kassiererin noch kurz darauf angesprochen. Ihre Antwort: “Ich habe das schon gedacht, wir haben das öfters.”.

Tja, überall das gleiche Schema. In einem großen Supermarkt liegen stets diverse aufgerissene Haribo-Tüten im Regal, der Shopblogger berichtet über einzeln geklaute Rasierklingen und im Drogeriemarkt werden Haarfärbemittel zusätzlich zugeklebt, damit sie nicht so leicht leergeräumt werden können.

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