Category: Netz

Dinge, die die Welt nicht braucht

Von laura, 26. Februar 2010 18:16

Die Trinkuhr ist ein kleines Gadget, das darüber informiert ob man am Tag genug getrunken hat. Signalisiert wird das mit einem entsprechenden Smilie. Praktisch sieht es so aus, dass ein Timer gestartet wird, dessen Gesicht sich nach jeweils 15 Minuten verändert, bis er sich dann nach 1,5 Stunden zum ersten Mal mit einem Vibrationsalarm meldet. Wenn man dann pflichtgemäss ein Glas Wasser getrunken hat, wird der Timer zurückgesetzt.
Das Ding kostet stolze 19.90 EUR und ist außerdem noch in einer Business-Variante erhältlich – ohne Smilie, dafür mit einem stilvollen Glas.

Wenn man ohnehin daran denkt, auf die Trinkuhr zu schauen, warum trinkt man dann nicht auch gleich etwas?
Der Vibrationsalarm mag ja noch ganz sinnvoll sein, aber nahezu jedes Mobiltelefon hat eine Timer-Funktion bzw. einen Wecker, mit dem man sich im 1,5 Stunden-Abstand erinnern könnte.

Kauf vor Ort leider gescheitert

Von laura, 22. Februar 2010 12:50

Heute habe ich versucht zwei neue Knopfzellen für meinen Stackmat Timer zu bekommen. Das Teil ging erst sporadisch aus, gestern morgen war dann auch die eingestellte Zeit zurückgesetzt – wohl ein klarer Fall von “Batterie leer”. Ich brauchte also zwei neue CR2032.

Die Ergebnisse der Marktforschung:
Drogerie-Kette: 1 Stück 3,99 (Noname)
Elektromarkt: 2 Stück 4,99 (Noname)
Juwelier:  1 Stück 4,99 (Energizer)

Bei Amazon gibt es die Dinger im 5er Pack ab 1,30, das Markenprodukt (Varta) einzeln für 83 Cent. Bei Reichelt zahlt man 33 Cent.
Bei dem deutlichen Preisunterschied habe ich dann auch kein schlechtes Gewissen mehr, zwei einzelne Knopfzellen via Amazon Prime zu bestellen.

Macht das Internet doof?

Von laura, 18. Februar 2010 15:14

In den letzten Monaten musste ich mehrfach an die Schlagzeile des Spiegels denken: “Macht das Internet doof?”. Der Artikel war damals nicht so sonderlich informativ und hat auch für eine Menge Kritik gesorgt, aber die grundsätzliche Frage halte ich nicht für unberechtigt. Offensichtlich scheint es insbesondere denen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, sehr schwer zu fallen, Informationen gezielt zu recherchieren bzw. Antworten eigenständig zu erarbeiten.

Lange Zeit habe ich das Internet für eine unendliche Quelle an Informationen und Wissen gehalten: Google auf, mit 3 Stichworten füttern und schon ist die Antwort auf so ziemlich jede Frage da. Zumindest in der Theorie. Während früher die Frage war: “Gibt es die Antwort irgendwo im Netz?” ist sie heute immer mehr: “Gibt es eine vertrauenswürdige Quelle für diese Antwort?”.
Kürzlich fiel mir das wieder auf, als mich jemand fragte wie viel Zoll er denn für ein Paket aus China zahlen muss. Meine erste Antwort darauf war: “Google mal danach, da wirst du mit Sicherheit eine Antwort finden”.
So sicher ist das aber gar nicht: unter den ersten Treffern zu “China Paket Zoll“ finden sich geschätzte 50 verschiedene Antworten. Ganz vorne dabei mit falschen Angaben sind Frage-Seiten wie gutefrage.net , auf denen 9 von 10 Antworten aus geistigem Dünnschiss bestehen. Eine ähnliche Quote gilt bezüglich der sonstigen Antworten: nur sehr selten findet man eine Erklärung, die bei dieser Frage auf Freigrenzen und Einfuhrumsatzsteuer hinweist.
Ich habe den Fragenden erst einmal auf die Zoll-Webseite verwiesen, wo natürlich die zuverlässigsten und aktuellsten Informationen zu finden sind. Aber offensichtlich ist der Standard-Internet-Nutzer mittlerweile viel zu sehr darauf getrimmt, Antworten in Foren vorgekaut zu bekommen. Das führt zu einer riesigen Flut von identischen Fragen, aus denen sich teilweise unterhaltsame Kreise bilden, bei denen man nach mehrmaligem anklicken von “Google doch mal, steht schon hier”-Links letztendlich wieder bei der ursprünglichen Quelle landet, ohne wirklich schlauer geworden zu sein.

Diese Denk- und Recherche-Faulheit gilt auch für ganz andere Dinge: seit etwa einem halben Jahr beschäftige ich mich mit dem sogenannten “Speedcubing”. Speedcuber sind die Leute, die den Rubik’s Cube (auch bekannt als Zauberwürfel) und diverse ähnliche Puzzle auf Zeit lösen und das mit möglichst ausgefeilten Algorithmen. Reizvoll finde ich besonders, Methoden zu erweitern und auf andere Puzzle zu übertragen. Darüber kann man sich auch prima im Netz austauschen – zumindest wenn man an den richtigen Stellen unterwegs ist.
Für so manchen “Cuber” scheint das nicht interessant zu sein. In einem Forum habe ich erwähnt, dass man den 3×3x5-Würfel problemlos mit Algorithmen für den 3×3x3- und den 3×3x2-Würfel lösen kann. Man muss vermutlich nicht einmal Ahnung von der Materie haben, um zu verstehen wie das funktionieren könnte. Aber ich habe seitdem mehr als 5 Rückfragen bekommen, ob ich dafür eine genaue Anleitung mit Abbildungen und Algorithmen habe. Darunter auch zumindest zwei Leute, die den Würfel nicht einmal in der Hand hatten, sondern lediglich bestellt haben und sich nun schon einmal provisorisch mit einer Lösung versorgen wollten.

Ich finde es traurig, dass viele (und damit meine ich definitiv nicht alle) nicht mehr bereit, Transferleistungen zu erbringen und bereits erlerntes auf neue Situationen zu übertragen. Oder auch einfach nur mitzudenken. Aber andererseits würde das Internet sicherlich enorm schrumpfen und viele Arbeitsplätze wären gefährdet, wenn man alle redundanten, zehnfach wiedergekäuten und falsch wiedergegebenen Informationen löschen würde…. und das wollen wir doch auch nicht, oder?

Little Arbeiterkind in the big Akademikerwelt

Von laura, 5. Januar 2010 12:09

Dass die WAZ (man möge mir verzeihen), nicht immer für Qualitätsjournalismus steht, ist kein Geheimnis. Aber mit dem aktuellen Artikel aus dem Uni-Leben ist mal wieder so ein Werk entstanden, das mit einem klassischen Rollenbild kokettiert, ohne dieses ein wenig zu hinterfragen: “Arbeiterkind lebt in der Uni in zwei Welten”.

Darin geht es um eine Studentin, die, wie der Titel bereits sagt, als Arbeiterkind an die Ruhr-Uni Bochum kommt und sich dort unter all den Akademikern nur schwerlich zurechtfindet. Und irgendwann kommt ihr Traumprinz und rett…. Ach nein, das war  etwas anderes. Jedenfalls sucht dieses Arbeiterkind nach Hilfe und fand diese letztendlich bei/über arbeiterkind.de.
Soweit so gut.
Dass sich dort Leute finden, die eine Übereinstimmung in ihrem “Background” fesgestellt haben, ist lobenswert, insbesondere wenn man sich dort gegenseitig helfen kann. Allerdings frage ich mich, ob die Situation nicht recht ähnlich wäre, wenn sich dort Blondinen oder Besitzer von Mischlingshunden firmieren würden, sprich: eine Zusammenkunft von Menschen, mit denen man sich in irgendeiner Weise identifizieren kann und die gegebenenfalls älter/erfahrener sind als man selbst.

Um mal aus meiner Erfahrung zu berichten: ich bin kein Arbeiterkind, hatte aber trotzdem keine Eltern, die mir aus ihrem Erfahrungsschatz berichten konnten, wie ich in der Mensa mit Plastikgeld bezahle (das hätte ich auch leicht befremdlich gefunden, denn die Karten wurden erst in dem Jahr eingeführt, an dem ich zur Uni kam). Ich habe schlicht und einfach nachgefragt, mich im Internet informiert oder andere beobachtet. Auch hat mir niemand geholfen, Mails an Professoren zu formulieren, aber dass ein förmlicher Brief im Normalfall mit “Sehr geehrte(r)” anfängt, wusste ich noch aus der Schule und konnte mir mit Hilfe eines gesunden Menschenverstandes auch den Rest zusammenreimen. Für meine Vorlesungen interessiert sich ebenso niemand in meiner Familie – was allerdings auch damit zusammenhängen mag, dass schon die Titel häufig Verwirrung auslösen (“Wie? Neuroinformatik? Neuro sagt mir was, Informatik auch, aber wie passt das zusammen?”).

Wenn ich unter meinen Kommilitonen herumschaue, weiss ich von kaum jemandem den Beruf  der Eltern. Das war nie ein Thema, es sei denn es war offensichtlich (“Heute abend muss ich bei meinen Eltern im Restaurant helfen”). Ohnehin hatte ich an der Uni zum ersten Mal den Eindruck, dass nicht mehr zählt, woher ich komme, sondern wer ich nun bin. Das war ganz erfrischend nach dem Besuch eines Gymnasiums mit einer Menge Lehrerkindern, deren Eltern unsere Lehrer aus dem gemeinsamen Studium oder auch aus dem Lions Club kannten.

Der Beginn des Studiums ist und bleibt ein starker Einschnitt ins Leben. Nachdem der Schulweg bei vielen zwar nicht vorbestimmt, aber zumindest durch die Schulleistung festgelegt wurde, ist der Weg an die Uni die erste eigene und meist auch freie Entscheidung und daher auch häufig mit einer Menge Unsicherheit verknüpft. Nicht wenige wohnen nun nicht mehr bei den Eltern, haben niemanden mehr im Alltag um sich, der sich in das eigene Leben einmischt – ich kann mich z.B. daran erinnern, dass ich es in den ersten Wochen sehr befremdlich fand, wochentags bis mittags im Bett zu liegen und wirklich niemand war da, der einen Kommentar abgab oder mir versuchte ein schlechtes Gewissen zu machen. Und ich weiss, dass es Kommilitonen nicht anders ging. Viele haben erst einmal ein Semester zur Orientierung gebraucht und das völlig unabhängig von ihrem sozialen Background.

Und was ich letztendlich damit sagen will: die Geschichte von Christin könnte man genau so mit anderen vermeintlichen Randgruppen schreiben. Frauen, die Physik studieren, Männer die Grundschullehrer werden wollen, Studenten aus dem Ausland, türkische Migranten, körperlich beeinträchtige (behinderte) Studenten, Studenten mit Lernschwäche, AD(H)S, Depressionen, Angststörungen… für nahezu jeden wird sich etwas finden lassen, das ihn zum vermeintlichen Aussenseiter macht. Wenn all diese eine entsprechende Lobby hätten, würde der Artikel genauso aussehen. Nur wenige Worte wären zu ersetzen und schon würde der Artikel über Legastheniker in der Akademikerwelt berichten.

Verpackungskünstler

Von laura, 24. November 2009 16:44

Ich gebs ja zu: ich gehöre auch zu den Menschen, die ihren halben Hausstand bei amazon.de kaufen. Das hat insbesondere damit zu tun, dass die Abwicklung unheimlich einfach ist und man mit Amazon-Prime alles ohne zusätzliche Kosten am nächsten Werktag geliefert bekommt.

Was mich aber immer mehr wundert, ist die mangelhafte Verpackung der Artikel. Schon mehrmals war ich verärgert, dass man zumindest unzerbrechliche Artikel meist ohne jegliche Polsterung verschickt. Direkt kaputt geht da nichts, aber sonderlich toll finde ich es auch nicht, wenn ich mein bestelltes Paar Schuhe in einem Karton erhalte, der etwa vier Mal so groß ist wie der darin enthaltene Schuhkarton und die Schuhe somit einzeln darin herumfliegen. Auch ein recht dickes und teures Fachbuch wurde einfach in diesen typischen Pappumschlag gepresst, so dass man fast mit der Lektüre beginnen konnte, ohne die Verpackung zu öffnen.
Ich habe  zu allen Sendungen ein entsprechendes Verpackungs-Feedback abgegeben.

Offensichtlich aber ohne Wirkung, denn heute erreichte mich die Krönung der Verpackungskunst: die “See-Through-Hülle” (schlechtes Foto, aber das Problem wird wohl deutlich).

amazon

Die Reklamation war einfach, schon morgen werde ich eine Ersatzlieferung erhalten. Verwundert hat mich aber der Kommentar des Hotliners, als er sich nach meiner Schilderung meine Bestellung ansah: “Oh ja, das kann natürlich sein, aus den Umschlägen fällt so etwas öfters mal raus!”. Was dann genau den Eindruck bestätigt, den ich schon länger hatte: man kalkuliert offensichtlich gezielt ein, dass Ware beschädigt bzw. gar nicht ankommt, weil es sich offensichtlich letztendlich rechnet.
Und ich muss nun noch bis morgen auf meinen neuen Würfel warten.

Phischting

Von laura, 23. November 2009 18:06

Phishing-Mails sind mittlerweile eigentlich nichts mehr bemerkenswertes. Kurz bevor ich das nachfolgende Exemplar allerdings in den Papierkorb schicken wollte, entdeckte ich seine unübertroffene Genialität:

Sehr geehrter Kunde,
im Zuge einer Systemumstellung ist es leider möglich das Sie ihre Kundendaten bei uns verifizieren. Dies dient zur Einrichtung von unserem neuen Sicherheitssystem im Kampf gegen Phischting.
[...]
Verfizierung:
http://packstation-dhl.blabla.se/
[...]
Wir sind uns sicher das sie zufrieden sein werden mit diesem Service. Bitte registrieren sie sich mit ihren alten Daten.

a) was ist “Phischting” und möchte ich wissen, aus welchen Worten dieser Begriff zusammengesetzt wurde?
b) wer klickt eine schwedische URL  an, wenn er Daten bei der Deutschen Post verifizieren soll?
c) warum soll ich mich mit meinen Daten neu registrieren, wenn ich sie doch nur verifizieren soll?

Früher haben sich die Versender wenigstens noch Mühe gegeben…

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