Category: Netz

Little Arbeiterkind in the big Akademikerwelt

Von laura, 5. Januar 2010 12:09

Dass die WAZ (man möge mir verzeihen), nicht immer für Qualitätsjournalismus steht, ist kein Geheimnis. Aber mit dem aktuellen Artikel aus dem Uni-Leben ist mal wieder so ein Werk entstanden, das mit einem klassischen Rollenbild kokettiert, ohne dieses ein wenig zu hinterfragen: “Arbeiterkind lebt in der Uni in zwei Welten”.

Darin geht es um eine Studentin, die, wie der Titel bereits sagt, als Arbeiterkind an die Ruhr-Uni Bochum kommt und sich dort unter all den Akademikern nur schwerlich zurechtfindet. Und irgendwann kommt ihr Traumprinz und rett…. Ach nein, das war  etwas anderes. Jedenfalls sucht dieses Arbeiterkind nach Hilfe und fand diese letztendlich bei/über arbeiterkind.de.
Soweit so gut.
Dass sich dort Leute finden, die eine Übereinstimmung in ihrem “Background” fesgestellt haben, ist lobenswert, insbesondere wenn man sich dort gegenseitig helfen kann. Allerdings frage ich mich, ob die Situation nicht recht ähnlich wäre, wenn sich dort Blondinen oder Besitzer von Mischlingshunden firmieren würden, sprich: eine Zusammenkunft von Menschen, mit denen man sich in irgendeiner Weise identifizieren kann und die gegebenenfalls älter/erfahrener sind als man selbst.

Um mal aus meiner Erfahrung zu berichten: ich bin kein Arbeiterkind, hatte aber trotzdem keine Eltern, die mir aus ihrem Erfahrungsschatz berichten konnten, wie ich in der Mensa mit Plastikgeld bezahle (das hätte ich auch leicht befremdlich gefunden, denn die Karten wurden erst in dem Jahr eingeführt, an dem ich zur Uni kam). Ich habe schlicht und einfach nachgefragt, mich im Internet informiert oder andere beobachtet. Auch hat mir niemand geholfen, Mails an Professoren zu formulieren, aber dass ein förmlicher Brief im Normalfall mit “Sehr geehrte(r)” anfängt, wusste ich noch aus der Schule und konnte mir mit Hilfe eines gesunden Menschenverstandes auch den Rest zusammenreimen. Für meine Vorlesungen interessiert sich ebenso niemand in meiner Familie – was allerdings auch damit zusammenhängen mag, dass schon die Titel häufig Verwirrung auslösen (“Wie? Neuroinformatik? Neuro sagt mir was, Informatik auch, aber wie passt das zusammen?”).

Wenn ich unter meinen Kommilitonen herumschaue, weiss ich von kaum jemandem den Beruf  der Eltern. Das war nie ein Thema, es sei denn es war offensichtlich (“Heute abend muss ich bei meinen Eltern im Restaurant helfen”). Ohnehin hatte ich an der Uni zum ersten Mal den Eindruck, dass nicht mehr zählt, woher ich komme, sondern wer ich nun bin. Das war ganz erfrischend nach dem Besuch eines Gymnasiums mit einer Menge Lehrerkindern, deren Eltern unsere Lehrer aus dem gemeinsamen Studium oder auch aus dem Lions Club kannten.

Der Beginn des Studiums ist und bleibt ein starker Einschnitt ins Leben. Nachdem der Schulweg bei vielen zwar nicht vorbestimmt, aber zumindest durch die Schulleistung festgelegt wurde, ist der Weg an die Uni die erste eigene und meist auch freie Entscheidung und daher auch häufig mit einer Menge Unsicherheit verknüpft. Nicht wenige wohnen nun nicht mehr bei den Eltern, haben niemanden mehr im Alltag um sich, der sich in das eigene Leben einmischt – ich kann mich z.B. daran erinnern, dass ich es in den ersten Wochen sehr befremdlich fand, wochentags bis mittags im Bett zu liegen und wirklich niemand war da, der einen Kommentar abgab oder mir versuchte ein schlechtes Gewissen zu machen. Und ich weiss, dass es Kommilitonen nicht anders ging. Viele haben erst einmal ein Semester zur Orientierung gebraucht und das völlig unabhängig von ihrem sozialen Background.

Und was ich letztendlich damit sagen will: die Geschichte von Christin könnte man genau so mit anderen vermeintlichen Randgruppen schreiben. Frauen, die Physik studieren, Männer die Grundschullehrer werden wollen, Studenten aus dem Ausland, türkische Migranten, körperlich beeinträchtige (behinderte) Studenten, Studenten mit Lernschwäche, AD(H)S, Depressionen, Angststörungen… für nahezu jeden wird sich etwas finden lassen, das ihn zum vermeintlichen Aussenseiter macht. Wenn all diese eine entsprechende Lobby hätten, würde der Artikel genauso aussehen. Nur wenige Worte wären zu ersetzen und schon würde der Artikel über Legastheniker in der Akademikerwelt berichten.

Verpackungskünstler

Von laura, 24. November 2009 16:44

Ich gebs ja zu: ich gehöre auch zu den Menschen, die ihren halben Hausstand bei amazon.de kaufen. Das hat insbesondere damit zu tun, dass die Abwicklung unheimlich einfach ist und man mit Amazon-Prime alles ohne zusätzliche Kosten am nächsten Werktag geliefert bekommt.

Was mich aber immer mehr wundert, ist die mangelhafte Verpackung der Artikel. Schon mehrmals war ich verärgert, dass man zumindest unzerbrechliche Artikel meist ohne jegliche Polsterung verschickt. Direkt kaputt geht da nichts, aber sonderlich toll finde ich es auch nicht, wenn ich mein bestelltes Paar Schuhe in einem Karton erhalte, der etwa vier Mal so groß ist wie der darin enthaltene Schuhkarton und die Schuhe somit einzeln darin herumfliegen. Auch ein recht dickes und teures Fachbuch wurde einfach in diesen typischen Pappumschlag gepresst, so dass man fast mit der Lektüre beginnen konnte, ohne die Verpackung zu öffnen.
Ich habe  zu allen Sendungen ein entsprechendes Verpackungs-Feedback abgegeben.

Offensichtlich aber ohne Wirkung, denn heute erreichte mich die Krönung der Verpackungskunst: die “See-Through-Hülle” (schlechtes Foto, aber das Problem wird wohl deutlich).

amazon

Die Reklamation war einfach, schon morgen werde ich eine Ersatzlieferung erhalten. Verwundert hat mich aber der Kommentar des Hotliners, als er sich nach meiner Schilderung meine Bestellung ansah: “Oh ja, das kann natürlich sein, aus den Umschlägen fällt so etwas öfters mal raus!”. Was dann genau den Eindruck bestätigt, den ich schon länger hatte: man kalkuliert offensichtlich gezielt ein, dass Ware beschädigt bzw. gar nicht ankommt, weil es sich offensichtlich letztendlich rechnet.
Und ich muss nun noch bis morgen auf meinen neuen Würfel warten.

Phischting

Von laura, 23. November 2009 18:06

Phishing-Mails sind mittlerweile eigentlich nichts mehr bemerkenswertes. Kurz bevor ich das nachfolgende Exemplar allerdings in den Papierkorb schicken wollte, entdeckte ich seine unübertroffene Genialität:

Sehr geehrter Kunde,
im Zuge einer Systemumstellung ist es leider möglich das Sie ihre Kundendaten bei uns verifizieren. Dies dient zur Einrichtung von unserem neuen Sicherheitssystem im Kampf gegen Phischting.
[...]
Verfizierung:
http://packstation-dhl.blabla.se/
[...]
Wir sind uns sicher das sie zufrieden sein werden mit diesem Service. Bitte registrieren sie sich mit ihren alten Daten.

a) was ist “Phischting” und möchte ich wissen, aus welchen Worten dieser Begriff zusammengesetzt wurde?
b) wer klickt eine schwedische URL  an, wenn er Daten bei der Deutschen Post verifizieren soll?
c) warum soll ich mich mit meinen Daten neu registrieren, wenn ich sie doch nur verifizieren soll?

Früher haben sich die Versender wenigstens noch Mühe gegeben…

Studi-Must-Have Software Mac OS X

Von laura, 14. November 2009 22:14

Kürzlich habe ich mein MacBook neu eingerichtet. Mit einem Mac ist das eigentlich ganz einfach, da man recht komfortabel Programme und Daten von einem anderen Rechner übertragen kann. Das bedeutet dann allerdings auch, dass man den alten Kram, der schon seit Monaten auf der Festplatte herumgammelt, auf das neue System übertragt. Daher in diesem Fall lieber neu einrichten.

Einige Programme, die ich häufig nutze, fielen mir schnell ein. Ebenso schnell habe ich mich dann allerdings auch gefragt was die ultimativen “must haves” auf dem mobilen Studenten-Rechner sind und habe mich im Netz auf die Suche gemacht. Die Ergebnisse waren nicht sehr überzeugend und so habe ich mir mal meine eigene Liste gebastelt, an die ich mich hoffentlich beim nächsten Mal erinnern werde…


Text schreiben, lesen und Co

textmateTextmate ist schlicht und einfach der Text-Editor für den Mac. Auch wenn er auf den ersten Blick sehr schlicht wirkt, hat er einen riesigen Funktionsumfang. Besonders praktisch sind auch die verfügbaren Bundles, mit denen man Textmate für so ziemlich jede Programmier- und Scriptsprache fit machen kann. Ich schreibe so gut wie alles damit: egal ob Latex, Prolog oder Arduino-Projekte.

adobereader Mit dem bei Mac OS X vorhandenen Viewer “Vorschau” (oder englisch Preview) lassen sich zwar so gut wie alle PDFs gut und sicher anschauen. Ab und an brauch man aber dann doch mal den “echten” AdobeReader.


Grafik

pixelmator Pixelmator ist das “Photoshop des kleinen Mannes” – intuitiv benutzbar und trotzdem ein sehr großer Funktionsumfang.

gimpapp Auch das unter Linux beliebte freie Grafikprogramm GIMP gibt es für Mac OS X.


Multimedia

vlcEgal ob DivX, VCD, DVD, MPEG, AVI, FLV, WAV, WMV oder OGG – VLC kann es abspielen und ist damit unentbehrlich für den Videokonsum.

mactheripper MacTheRipper ist ein kleines, sehr funktionales Tool zum Rippen von CDs und DVDs.


Kommunikation

tweetie Twitter-Clients gibt es wie Sand am Meer. Der in meinen Augen funktionalste für Mac OS X ist Tweetie.

adiumAdium ist ein freier Instant Messenger und kann mit allen populären Protokollen arbeiten.


Organisation

thehitlist Neben den oft diskutierten GTD-Programmen Things und OmniFocus gibt es auch noch ein paar kleinere ToDo-Programme, die in ihrer Funktion den vermeintlich großen sicherlich in nichts nachstehen. The Hit List gehört dazu.

mindjetmindmanager6 Der MindManager von Mindjet ist vermutlich das bekannteste Mindmap-Tool, sowohl für den Mac, als auch für Windows. Wenn ich ihn allerdings nicht kostenlos über die Uni bekommen hätte, wäre mir der Preis etwas zu hoch gewesen (150 Euro).

freemind Kostenlos, allerdings auch mit geringerem Funktionsumfang, geht es aber auch mit Freemind.



Dateiübertragung und Tools

cyberduckCyberduck kommt nicht ohne Grund aus der Schweiz: es ist quasi das Schweizer Messer für die Datenübertragung. Neben FTP und SFTP spricht es auch noch ein paar weitere Protokolle und lässt sich auch super zusammen mit Textmate nutzen. Cyberduck unterstützt zudem Growl Notifications.

dropbox DropBox gilt als kostenlose Alternative zu MobileMe und ist nicht nur in dieser Hinsicht interessant. Neben dem Mac ist auch die Synchronisation mit dem iPhone, mit Linux und mit Windows möglich.

truecrypt Bei der Nutzung von DropBox mit persönlichen/sicherheitsrelevanten Daten empfiehlt es sich den Ordner mit Truecrypt zu verschlüsseln.

sequelpro Mit Sequel Pro lassen sich MySQL-Datenbanken komfortabel verwalten.


Systemsoftware

itermEine Alternative zum vorhandenem Terminal ist iTerm. Mittlerweile hat Terminal zwar deutlich mehr Features bekommen als noch bei Tiger und Co., iTerm ist aber weiterhin einen Blick wert.

macports Mit Macports lassen sich diverse OpenSource-Pakete komfortabel installieren und unter Mac OS X nutzen.

parallelsdesktopformacEs ist zwar in den letzten Jahren deutlich weniger geworden, aber ab und an muss man doch einmal Windows booten – sei es für eine Webseite, die bockig den Internet Explorer verlangt oder für eine Programmieraufgabe, die der Professor unbedingt in XNA sehen möchte. Nach mehreren Wechseln zwischen VMWare Fusion und Parallels Desktop bin ich aktuell wieder bei Parallels gelandet. Die beiden tun sich wenig, ich habe jedoch den Eindruck dass Parallels hinsichtlich Speicherauslastung seine Aufgabe etwas besser bewältigt.

cleanappMit CleanApp lassen sich Programme komfortabel inkl. aller Hinterlassenschaften entfernen. Zusätzlich gibt es auch noch diverse Zusatzfunktionen, mit denen sich z.B. alte Dateien oder riesige Cache-Dateien aufspüren lassen.


Sonstige Tools

growl “Aufpoppende” Benachrichtigungen sind tendenziell eher böse, lenken sie doch schnell ab und verlagern den Fokus auf Dinge, mit denen man sich aktuell eigentlich gar nicht beschäftigen sollte. Growl bietet diese Benachrichtigungen für zahlreiche Applikationen und wenn man sie gezielt einsetzt, sind sie sogar ziemlich praktisch.

1password Das Speichern von Passwörtern hat immer zwei Seiten: einerseits ist es hilfreich, um sich an viele unterschiedliche Passwörter zu erinnern, andererseits ist es ein potentielles Sicherheitsrisiko. 1Password entschärft ein wenig die Bedenken und bietet eine applikationsübergreifende und verschlüsselte Speicherung.

coconutbattery Auf mobilen Geräten ist die Leistung des Akkus immer interessant. CoconutBattery bietet eine praktische Überwachungsmöglichkeit über die Ladezyklen und die Leitungsfähigkeit.

magicalVielleicht das einzige, was man ein Mac-User bei einem Windows-User beneidet: ein Kalender beim Klick auf die Zeitangabe in der Menüleiste. Mit MagiCal kann man ihn nachrüsten.

Werbung mit Selbstdarstellern

Von laura, 21. Juli 2009 21:55

Besonders nervig finde ich aktuell die Vodafone-Werbespots, denen man beim Konsum von Privatfernsehen nicht entkommen kann. Dort präsentiert sich “Internetpionier, Autor und Blogger”, manchmal auch “bekanntester Blogger  Deutschlands”, Sascha Lobo, auch bekannt als erfolgreicher Web 2.0-Selbstvermarkter.

Die Kampagne hat im WWW schon für eine Menge Kritik gesorgt und das in meinen Augen auch zurecht. Die Sueddeutsche Zeitung fasst das ganz gut zusammen, was ich dazu noch kommentiert hätte, findet sich dort. Mittlerweile gibt es auch einige Antworten auf die Werbung, u.a. dieses Video:

Vodafone-Werbung “Heroes” Satire from Generation Upload on Vimeo.

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