Category: Welt

Dinge, die die Welt nicht braucht

Von laura, 26. Februar 2010 18:16

Die Trinkuhr ist ein kleines Gadget, das darüber informiert ob man am Tag genug getrunken hat. Signalisiert wird das mit einem entsprechenden Smilie. Praktisch sieht es so aus, dass ein Timer gestartet wird, dessen Gesicht sich nach jeweils 15 Minuten verändert, bis er sich dann nach 1,5 Stunden zum ersten Mal mit einem Vibrationsalarm meldet. Wenn man dann pflichtgemäss ein Glas Wasser getrunken hat, wird der Timer zurückgesetzt.
Das Ding kostet stolze 19.90 EUR und ist außerdem noch in einer Business-Variante erhältlich – ohne Smilie, dafür mit einem stilvollen Glas.

Wenn man ohnehin daran denkt, auf die Trinkuhr zu schauen, warum trinkt man dann nicht auch gleich etwas?
Der Vibrationsalarm mag ja noch ganz sinnvoll sein, aber nahezu jedes Mobiltelefon hat eine Timer-Funktion bzw. einen Wecker, mit dem man sich im 1,5 Stunden-Abstand erinnern könnte.

Hassobjekt Lehrer

Von laura, 25. Februar 2010 14:32

Der Pausenlacher im Radio: die US-Schulbehörde hat 93 Lehrern einer Schule gekündigt, weil die Noten der Schüler zu schlecht waren. Der Kommentar des Moderators dazu: “Das sollten sie hier auch mal machen, da hätten aber einige mächtig Angst”. Interessanterweise war ich wohl nicht die einzige, die das gehört hatte, denn wenig später an der Supermarktkasse unterhielt man sich auch darüber und das mit einem ähnlichen Tenor: “Richtig so, die sind eh überbezahlt und faul, da muss man in Deutschland auch durchgreifen!” war ein Statement.
Weil mir die Geschichte etwas merkwürdig vorkam, habe ich kurz mal die Stichworte in Google geworfen und siehe da: die Zeit hat auch darüber berichtet. Die Welt hat auch noch ein paar Hintergrundinformationen und in der Süddeutschen sammeln sich langsam Kommentare, die in eine ähnliche Richtung gehen.

Mal ganz davon abgesehen, dass das hier in dieser Form gar nicht möglich wäre,  musste ich zwangsläufig an die Kündigungsfälle denken, die vor wenigen Monaten ganz Deutschland empörten und in Zeitungen und TV-Sendungen bis zum Erbrechen analysiert wurden: gekündigt wegen einer Frikadelle, wegen Pfandbons, wegen Maultaschen und ähnlicher Bagatelldelikte.
Vergleichen wir doch mal beide Fälle:  in beiden wurden Kündigungen aufgrund eines vermeintlichen Fehlverhaltens ausgesprochen. Im einen Fall geht es um angeblichen Diebstahl (wobei das in den einzelnen Fällen sicherlich auch eine Definitionssache ist), im anderen um das vermeintliche Ergebnis der Arbeit.
Als einigermaßen aufgeklärter Mensch sollte man wissen, dass Schulleistungen, insbesondere in Form von schulübergreifenden Lernstandserhebungen, von sehr vielen Faktoren abhängen. Zu diesen kann sicherlich auch der Lehrer gehören, viel mehr geht es aber um die soziale Herkunft bzw. das Elternhaus. Die Leistung eines Lehrers kann also gar nicht allein am Lernerfolg der Schüler belegt werden. Auch ein guter Lehrer kann niemals einen Schüler, der mit rudimentären Deutschkenntnissen eingeschult wird, auf das Level eines anderen Schülers bringen, der mit 6 Jahren seinen ersten Harry Potter-Roman gelesen hat.

Es ist wahrscheinlich klar, worauf ich hinaus will: die Kündigung einfacher Arbeiter aufgrund eines Bagatelldeliktes ist ein großer Aufreger, die ungerechtfertigte Kündigung von Lehrern dagegen belustigend und nachahmenswert.
Kranke Welt. Aber nach dem “Lehrerhasser-Buch” sicherlich auch nicht überraschend.

Kauf vor Ort leider gescheitert

Von laura, 22. Februar 2010 12:50

Heute habe ich versucht zwei neue Knopfzellen für meinen Stackmat Timer zu bekommen. Das Teil ging erst sporadisch aus, gestern morgen war dann auch die eingestellte Zeit zurückgesetzt – wohl ein klarer Fall von “Batterie leer”. Ich brauchte also zwei neue CR2032.

Die Ergebnisse der Marktforschung:
Drogerie-Kette: 1 Stück 3,99 (Noname)
Elektromarkt: 2 Stück 4,99 (Noname)
Juwelier:  1 Stück 4,99 (Energizer)

Bei Amazon gibt es die Dinger im 5er Pack ab 1,30, das Markenprodukt (Varta) einzeln für 83 Cent. Bei Reichelt zahlt man 33 Cent.
Bei dem deutlichen Preisunterschied habe ich dann auch kein schlechtes Gewissen mehr, zwei einzelne Knopfzellen via Amazon Prime zu bestellen.

Macht das Internet doof?

Von laura, 18. Februar 2010 15:14

In den letzten Monaten musste ich mehrfach an die Schlagzeile des Spiegels denken: “Macht das Internet doof?”. Der Artikel war damals nicht so sonderlich informativ und hat auch für eine Menge Kritik gesorgt, aber die grundsätzliche Frage halte ich nicht für unberechtigt. Offensichtlich scheint es insbesondere denen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, sehr schwer zu fallen, Informationen gezielt zu recherchieren bzw. Antworten eigenständig zu erarbeiten.

Lange Zeit habe ich das Internet für eine unendliche Quelle an Informationen und Wissen gehalten: Google auf, mit 3 Stichworten füttern und schon ist die Antwort auf so ziemlich jede Frage da. Zumindest in der Theorie. Während früher die Frage war: “Gibt es die Antwort irgendwo im Netz?” ist sie heute immer mehr: “Gibt es eine vertrauenswürdige Quelle für diese Antwort?”.
Kürzlich fiel mir das wieder auf, als mich jemand fragte wie viel Zoll er denn für ein Paket aus China zahlen muss. Meine erste Antwort darauf war: “Google mal danach, da wirst du mit Sicherheit eine Antwort finden”.
So sicher ist das aber gar nicht: unter den ersten Treffern zu “China Paket Zoll“ finden sich geschätzte 50 verschiedene Antworten. Ganz vorne dabei mit falschen Angaben sind Frage-Seiten wie gutefrage.net , auf denen 9 von 10 Antworten aus geistigem Dünnschiss bestehen. Eine ähnliche Quote gilt bezüglich der sonstigen Antworten: nur sehr selten findet man eine Erklärung, die bei dieser Frage auf Freigrenzen und Einfuhrumsatzsteuer hinweist.
Ich habe den Fragenden erst einmal auf die Zoll-Webseite verwiesen, wo natürlich die zuverlässigsten und aktuellsten Informationen zu finden sind. Aber offensichtlich ist der Standard-Internet-Nutzer mittlerweile viel zu sehr darauf getrimmt, Antworten in Foren vorgekaut zu bekommen. Das führt zu einer riesigen Flut von identischen Fragen, aus denen sich teilweise unterhaltsame Kreise bilden, bei denen man nach mehrmaligem anklicken von “Google doch mal, steht schon hier”-Links letztendlich wieder bei der ursprünglichen Quelle landet, ohne wirklich schlauer geworden zu sein.

Diese Denk- und Recherche-Faulheit gilt auch für ganz andere Dinge: seit etwa einem halben Jahr beschäftige ich mich mit dem sogenannten “Speedcubing”. Speedcuber sind die Leute, die den Rubik’s Cube (auch bekannt als Zauberwürfel) und diverse ähnliche Puzzle auf Zeit lösen und das mit möglichst ausgefeilten Algorithmen. Reizvoll finde ich besonders, Methoden zu erweitern und auf andere Puzzle zu übertragen. Darüber kann man sich auch prima im Netz austauschen – zumindest wenn man an den richtigen Stellen unterwegs ist.
Für so manchen “Cuber” scheint das nicht interessant zu sein. In einem Forum habe ich erwähnt, dass man den 3×3x5-Würfel problemlos mit Algorithmen für den 3×3x3- und den 3×3x2-Würfel lösen kann. Man muss vermutlich nicht einmal Ahnung von der Materie haben, um zu verstehen wie das funktionieren könnte. Aber ich habe seitdem mehr als 5 Rückfragen bekommen, ob ich dafür eine genaue Anleitung mit Abbildungen und Algorithmen habe. Darunter auch zumindest zwei Leute, die den Würfel nicht einmal in der Hand hatten, sondern lediglich bestellt haben und sich nun schon einmal provisorisch mit einer Lösung versorgen wollten.

Ich finde es traurig, dass viele (und damit meine ich definitiv nicht alle) nicht mehr bereit, Transferleistungen zu erbringen und bereits erlerntes auf neue Situationen zu übertragen. Oder auch einfach nur mitzudenken. Aber andererseits würde das Internet sicherlich enorm schrumpfen und viele Arbeitsplätze wären gefährdet, wenn man alle redundanten, zehnfach wiedergekäuten und falsch wiedergegebenen Informationen löschen würde…. und das wollen wir doch auch nicht, oder?

Starsinniger Kundenservice

Von laura, 11. Januar 2010 15:55

Seit längerem liebäugle ich mit einem kleinen digitalen Camcorder. Nichts professionelles, eher eine hochwertige Handykamera, mit der man einfache Filmchen drehen kann. Nach ein wenig Recherche im Netz standen zwei Modelle zur Auswahl: die Kodak Zi8 oder eine Cisco Flip und nach weiterer Recherche, ob ich so ein Spielzeug überhaupt brauche und ob ich sie mir überhaupt leisten kann, wollte ich sie natürlich haben. Der Versuch eine davon im Laden zu kaufen scheiterte. Selbst bei den beiden großen Elektrogeschäften der Metro Group gab es nur die veraltete Zi6 zum Preis der Zi8 und die ebenso veraltete Flip Mino (nicht HD).

Während ich dann durch die Angebote klickte, stolperte ich bei Amazon über einen erstaunlich niedrigen Gebrauchtpreis für die Zi8. Umso erfreuter war ich, dass dieses Angebot auch noch ein “Warehouse Deal” war, also eine von Amazon überprüfte und getestete Retoure zu einem günstigeren Preis. Ich konnte nicht widerstehen und bestellte.
Ich wartete einen Tag, zwei Tage, drei Tage und als schließlich die angepeilte Lieferzeit überschritten war, fragte ich doch mal nach, wann denn meine Kamera verschickt wird. In diesem Fall via Kontaktformular, da auf der Seite vor langen Wartezeiten an der Hotline aufgrund eines technischen Problems gewarnt wurde.
Die erste Antwort kam schnell: “Wir überprüfen das” in Textbausteinen.
Nach zwei Tagen erhielt ich dann die nächste Nachricht: “Ihr Liefertermin wurde geändert” in Textbausteinen. Die Begründung ebenso: “Lieferanten können nicht immer ihre Termine einhalten”. Häh?

Nicht dass ich erwartet hätte, dass es irgendetwas bewirken würde, aber ich musste dann doch mal dort anrufen. Der junge Mann entschuldigte sich zwar erst, wirkte aber leicht genervt und überfordert als ich ihm mitteilte, dass ich nicht verstehe, wie ein offensichtlich vormals vorrätiger Artikel, der laut Beschreibung auf Vollständigkeit und Funktion überprüft wurde, nun erst in 2 Wochen verschickt werden kann. Nach einer kleinen Diskussion war die Aussage letztendlich: “Wir haben keinen Einfluss auf unsere Versandlager”. Aha.

Als ich dann, mittlerweile doch verärgert, noch einmal in mein Amazon-Konto ging, um die Bestellung zu canceln, sah ich ein weiteres Angebot: wieder “Warehouse Deals”, gleiche Beschreibung, gleiche Kamera, gleicher Preis, nur eine andere Farbe. Ach ne!
Nicht dass es damit bewiesen wäre, aber unwahrscheinlich ist es sicherlich nicht, dass dort einfach ein Fehler passiert ist und man das Angebot in einer falschen Farbe eingestellt hat. Warum man mich dazu nicht einfach kontaktiert und fragt, ob ich auch damit zufrieden wäre, bleibt Amazons Geheimnis. Selbst wenn dem nicht so ist (also keine Verwechslung vorliegt), wäre es ja naheliegend gewesen, mir einfach die andere Kamera anzubieten, um die Lieferzeit einzuhalten. Und wenn das wiederum nicht möglich gewesen wäre, weil es dazu keine passenden Textbausteine gab, hätte man mich ja wenigstens an der Hotline auf das Angebot hinweisen können. Aber das hätte vermutlich zu lange gedauert und den Kundenumsatz der Hotline nach unten verschoben…

Leichtsinn

Von laura, 15. Dezember 2009 20:45

Seitdem ich vor mehr als einem Jahr über eine grüne Ampel fuhr und so ziemlich im gleichen Moment einen Linksabbieger sah, der mit recht hoher Geschwindigkeit von der Seite kam, habe ich schon öfters mal darüber nachgedacht, dass man auch als vernünftig und vorausschauend fahrender Autofahrer schnell einmal so richtig Pech haben kann. Auch wenn man (so oft es geht) die Dummheit der anderen Verkehrsteilnehmer einkalkuliert. Damals war es nur ein kleiner Kratzer, die gegnerische Versicherung hat problemlos gezahlt und die Sache war vergessen. Trotzdem war es eine Menge Aufwand: Kostenvoranschlag holen, Formulare ausfüllen, herumtelefonieren und das alles nur, weil ein Volldödel sich bzw. den Verkehr überschätzt.

Was ich aber heute etwa 5m hinter meiner Stoßstange gesehen habe, setzt dem Leichtsinn die Krone auf: ich stand auf einer drei-spurigen Straße, davon eine Spur eine Linksabbieger-Spur. Die Autos stauten sich auf den beiden Geradeaus-Spuren vor der roten Ampel. Gerade als weitere Fahrzeuge von hinten kamen, schießt ein Auto vom Gelände einer Tankstelle und knallt mit einem Affenzahn in ein Fahrzeug, das auf der Linksabbieger-Spur fährt. Und das nicht irgendwie knapp an die Stoßstange, sondern im 90-Grad Winkel in die Seite.
Offensichtlich wollte der Mann noch kurz vor den herannahenden Fahrzeugen  auf die Spur kommen – wie man sich dabei aber so verschätzen kann, ist mir unklar.
Ich bin nur froh, dass ich nicht ein paar Meter weiter hinten stand. Sonst hätte ich wohl auch noch eines der zusammengeschobenen Fahrzeuge im Kofferraum gehabt.

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