Category: Welt

Gesellschaftsfähige Klischees

Von laura, 7. November 2009 01:20

In welcher Zeit leben wir eigentlich, wenn ein Komödiant oder neudeutsch Comedian in schätzungsweise hunderten Werbeblöcken täglich Vorurteile zu Frauen verbreiten darf, dabei noch Werbung für einen Elektronik-Markt macht und damit offensichtlich nicht wenige Menschen (sowohl weibliche als auch männliche) unterhält?

Genau, es geht um Mario Barth, bzw. Mario Barth ist der Aufhänger dieses kurzen Artikels. Momentan sind seine Werbespots ständig im TV zu sehen. Da gibt es Varianten, in denen eine Frau “Blu-Ray” für einen Schauspieler hält,  in denen Frauen die technischen Labereien des Verkäufers nicht verstehen und einige weitere, ähnlich klischeebehaftete Spots. Barth gilt aktuell als der wohl erfolgreichste Comedian im deutschsprachigen Raum. Im letzten Jahr versammelten sich mehr als 70.000 Fans im Berliner Olympia-Stadion, um sich seine Show anzusehen. Auch für die aktuelle Auftritte sind Tickets heiß begehrt.
Nicht nur mir ist es ein Rätsel, was die Begeisterung auslöst. Um für Barth Gags zu schreiben, braucht es nicht viel: ein paar lauwarme Klischees und schon tobt die Masse. Nicht selten reichen Einleitungssätze wie “Er will Fußball gucken, Bundesliga…” um das kollektive Schenkelklopfen zu starten.

Humor ist bekanntlich, wenn man drüber lacht und ob ein Witz nun lustig ist oder nicht, kann ein einzelner sicherlich nicht beurteilen, aber Barths Standardsprüche empfinde ich als frauenfeindlich, sexistisch und niveaulos. Dass dieser Humor offensichtlich gesellschaftsfähig ist, verwundert mich sehr. Auch im 21. Jahrhundert. in dem immer noch viel zu viele Frauen vermittelt bekommen, dass sie weniger wert sind und weniger können als ihre männlichen Kollegen, in der Mädchen in Rollenklischees gepresst werden, die in keiner Weise ihren tatsächlichen Leistungen und Begabungen entsprechen und diese Rollenbilder im Alltag omnipräsent sind, finde ich es sogar völlig unangemessen.

Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, welche Erfolgsaussichten es hätte, wenn eine Frau sich mit ähnlichen Klischees zu Männern auf die Bühne stellen würde. Vielleicht ein “Da wollte er Nudeln kochen und hat sie in die Mikrowelle gesteckt!” oder “Da wollte er sich mal was schickes leisten und hat die teuersten Tennissocken gekauft!”? Wie viele männliche Zuschauer wohl im Publikum sitzen würden? Mehr als eine Handvoll wären es sicher nicht. Über manche Dinge darf man eben lachen, über andere nicht.
Wenn Herr Wallraff schwarz geschminkt die Vorurteile der Gesellschaft erlebt und anschließend präsentiert  wird der Kopf geschüttelt und alle sind sich einig “so würde ich niemals denken und handeln!”. Wenn Herr Barth aber seine Vorurteile über Frauen präsentiert, ist das unheimlich lustig. Klar, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, schon rein geschichtlich betrachtet. Herunter gebrochen auf die Klischees sind die Parallelen aber sicherlich vorhanden.

P.S. Wenn ich übrigens “Mario Barth” in Google suchen möchte, wird mir als zweiter Suchvorschlag “mario barth freundin” angezeigt. Ich hoffe mal stark, dass sich das auf die grundsätzliche Frage bezieht, ob der der Herr überhaupt eine Freundin hat und nicht auf die Frage, ob man bzw. frau eventuelle Chancen hätte…

P.S.2: Die Titanic hat übrigens noch was nettes dazu.

Zählschwierigkeiten

Von laura, 17. Oktober 2009 11:35

Heute war ich im Baumarkt. Ich kaufte 8 identische Artikel, die sich lediglich durch ihre Farbe unterschieden.
Die Dame an der Kasse scannte den ersten, schaute mich dann fragend an: “Die sind doch alle gleich, oder?”.
Ich bestätigte ihr das, gab aber zu bedenken, dass sie vielleicht unterschiedliche Barcodes haben, um die Verkaufszahlen der einzelnen Farben festzuhalten.
Das quittierte sie mit einem Schulterzucken, hackte die “8″ in ihre Kasse und nannte mir den zu bezahlenden Betrag. Ich reichte ihr meine EC-Karte, doch sie schaute nur fragend auf die Ware auf dem Band. Erstaunt schaute ich sie an: “Stimmt was nicht?”.
“Doch, doch!” sagte sie zögerlich, “Ich frage mich nur, ob das wirklich acht sind!”. Irritiert bestätigte ich ihr, dass ich zumindest acht kaufen wollte und machte ihr ein Angebot: “Wir können ja gerne noch mal nachzählen!”.
Damit hatte  sie wohl nicht gerechnet, denn anstatt den Zählprozess einzuleiten, starrte sie mich erschrocken an. “Ansonsten kann ich Ihnen auch sagen, dass ich zwei von jeder Farbe habe und da es vier Farben sind, sind es dann acht Artikel.” half ihr ihr weiter. Erleichtert strahlte sie mich an: “Achso, ich dachte zwei mal vier wären sechs!”.

Ich hoffe jedenfalls, die Dame hatte nur einen schlechten Tag.

Einslive Radiokonzert Max Herre

Von laura, 2. Oktober 2009 00:21

Oder auch: “Auch noch nen Glas Champagner….? *hicks*”. Aber dazu später mehr.

Dank dem freundlichen Hinweis auf Twitter wurde ich auf ein Gewinnspiel der WAZ aufmerksam, in dem drei Mal zwei Karten für das Einslive Radiokonzert von Max Herre im Wuppertaler Rex-Theater verlost wurden. Guter deutscher Künstler, momentan viel Zeit auch mal was anderes zu sehen… warum also nicht mitmachen?
Und siehe da: vor etwa einer Woche erreichte mich dann die freundliche Mail, dass ich auf der Gästeliste stehe.

So machten wir uns dann heute abend nach kurzer Diskussion über Trink- und Fahrgewohnheiten auf dem Weg ins bergische Land.
Das Rex-Theater ist – wie der Name schon ahnen lässt – ein historisches  Theatergebäude, welches offensichtlich auch gerne für Konzerte genutzt wird. Das “historisch” konnte man auch wirklich wörtlich nehmen: während die alten Sitze im Theater noch einen gewissen Charme versprühten, wirkten die alten Sanitäranlagen, in denen man Rohre mit Gaffa-Tape provisorisch geflickt hatte, doch leicht überholt.

Aber wir waren ja dort, um Musik zu hören und so vertrieben wir uns die Zeit bis zum Auftritt um 21 Uhr mit ein paar Getränken und beobachteten die Gäste, die mehr und mehr die Plätze belegten. Alle hatten die Karten gewonnen: ein paar (so wie ich) mit einer harmlosen E-Mail, andere mit panischen Telefonanrufen (wie aus der Reihe hinter uns zu vernehmen war). Aus welchem Beweggrund man ein solches Konzert besuchen möchte, ist sicherlich sehr vielseitig. Ob sich auch jeder eine Karte gekauft hätte, sei mal dahingestellt – ich hätte es wohl auch nicht getan. Schade finde ich aber, wenn man sich so gar nicht für die Musik begeistern kann und auch interessiert, die man dort zu hören bekommt.
Das unterstelle ich zumindest drei [dieser Ausdruck wurde aufgrund der Jugendschutzbestimmungen zensiert], die vor uns saßen. Dort vergnügte man sich zunächst mit einer Flasche Schaumwein, schrieb SMS, machte pausenlos Fotos, die dann jeweils minutenlang betrachtet wurden, tuschelte aufgeregt, legte schubweise eine Art Ententanz hin, bei dem in einer billigen Disco sicherlich sofort 20 Interessenten auf der Matte gestanden hätten und stöhnte immer wieder, wenn sich die Massen aus den Sitzen erhoben, bis man letztendlich einfach sitzen blieb. Sicherlich ist es jedem überlassen, wie er ein solches Konzert erleben möchte, aber mit dem Eindruck, dass das überhaupt nicht bei den Damen der Fall war, war ich nicht alleine. Nicht nur wir waren zudem von dem ständig aufleuchtenden Handy- und Digitalkamera-Displays genervt. Aber was solls….

Max Herre hat den Saal gerockt. Der Großteil der gespielten Songs stammte vom neuen Album “Ein geschenkter Tag”, hinzu kamen der Freundeskreis-Klassiker “A-N-N-A” und Rio Reisers “Halt Dich an Deiner Liebe fest”, sowie ein Song von Herres erstem Album (“Max Herre”), was mir persönlich auch sehr gut gefiel, da ich den aktuell produzierten Deutschrock doch dem “alten” Rap vorziehe.
Sowohl Band als auch Herre hatten sichtlich Spaß am Auftritt, kommunizierten mit dem Publikum und präsentierten ihr umfangreiches Können.
Ein absolut lohnenswerter Abend!

Hier gibt es übrigens noch in der Zeit einen lesenswerten Artikel über Max Herre.

Freizeitgestaltungstipps

Von laura, 23. September 2009 21:57

Aktuell sind Semesterferien, ich habe mir selbst ein paar Wochen Ruhe verordnet (naja, ok, ein bisschen etwas für die nächste Uni-Prüfung habe ich schon gelesen) und habe ein NRW-Ticket – was bietet sich da mehr an, als mal ein wenig durch die Gegend zu fahren?

Vor ein paar Tagen waren wir im “Heinz-Nixdorf-MuseumsForum” (HNF) in Paderborn. Das Museum ist das Paradies für alle Computer- oder auch allgemeiner Informationstechnik-Interessierten: die Ausstellungsstücke reichen von Höhlenmalereien, über einfachste Büro- und Rechentechnik bis hin zu aktuellen Entwicklungen (womit dann mehr als 5000 Jahre zusammengefasst wären). Es bezeichnet sich selbst als “größtes Computermuseum der Welt”.
Die Ausstellungen ist sehr liebevoll und mit einer Menge Hintergrundwissen gestaltet worden. Zu so gut wie allen Exponaten gibt es Informationstafeln, die auch dem Nicht-Informatiker einen guten Überblick bieten. Auch ist es möglich, Dinge auszuprobieren: Schriftzeichen schreiben, mit einer alten Rechenmaschine addieren oder auch Spielsteuerung via Eye Tracking – für Spielkinder gibt es eine Menge zu erleben.

Die Taschenrechnerwand im HNF

Die Taschenrechnerwand im HNF

Kritisieren könnte man die Dominanz der (Siemens-)Nixdorf Themen, andererseits ist das natürlich auch verständlich, da das Museum von der “Heinz Nixdorf Stiftung” errichtet wurde (wie der Name auch schon sagt). Nicht dass ich die Bedeutung der Nixdorf-Geräte in der Geschichte der Computer nicht anerkennen will, aber es gibt daneben nun einmal noch andere, was dem uninformierten Besucher vielleicht nicht ganz verständlich sein könnte.
So oder so aber ein interessantes Museum und auch angesichts der günstigen Eintrittskosten (5 EUR für Erwachsene, 3 EUR ermässigt) immer einen Besuch wert.
Im November gibt es zudem eine Sonderausstellung zu Claude Shannon. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir dann noch einmal vorbeischauen werden.

Vorgestern war ich dann in Bonn in der KAH oder auch lang: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland. Seit dem 28. August 2009 und noch bis 28. Februar 2010 gibt es dort eine Ausstellung unter dem Titel “James Cook und die Entdeckung der Südsee“.
Ich hatte schon vor 1-2 Monaten davon bei “ttt” (titel thesen temperamente) gehört und war dann noch einmal durch einen Zeitungsartikel daran erinnert worden.

James Cook Statue in Whitby

James Cook Statue in Whitby

Die Ausstellung präsentiert sehr kreativ und informativ gestaltet die drei Weltreisen von James Cook und die Exponate, die er von diesen mitbrachte. Das fängt an bei diversen Aufzeichnungen über die Reisen, geht weiter bei Schmuck aus Tonga, bei Kunst aus Hawaii, bei nachgebauten Schiffsmodellen und endet lange nicht bei zahlreichen Gemälden, die die einzelnen Begegnungen mit den fremden Kulturen darstellen. Die einzelnen Ausstellungsstücke werden jeweils nach Ländern sortiert präsentiert, wobei auf den Boden aufgezeichnete Linien verdeutlichen, wie die einzelnen Reisen Cooks verliefen. So lassen sich die Routen durch die einzelnen Länder in der Ausstellung nachlaufen.
Als bemerkenswert habe ich nicht nur die Anzahl der Exponate empfunden (es sind mehr als 550), sondern auch ihre Herkunft: sie stammen aus diversen Sammlungen und Museen in ganz Europa. Positiv ist auch, dass Cook nicht nur als “Entdecker der Welt” präsentiert wird, sondern auch die Seite der besuchten Völker beleuchtet wird.
Der Eintritt kostet 7 EUR für Erwachsene, 5 EUR ermässigt.

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