Hassobjekt Lehrer
Der Pausenlacher im Radio: die US-Schulbehörde hat 93 Lehrern einer Schule gekündigt, weil die Noten der Schüler zu schlecht waren. Der Kommentar des Moderators dazu: “Das sollten sie hier auch mal machen, da hätten aber einige mächtig Angst”. Interessanterweise war ich wohl nicht die einzige, die das gehört hatte, denn wenig später an der Supermarktkasse unterhielt man sich auch darüber und das mit einem ähnlichen Tenor: “Richtig so, die sind eh überbezahlt und faul, da muss man in Deutschland auch durchgreifen!” war ein Statement.
Weil mir die Geschichte etwas merkwürdig vorkam, habe ich kurz mal die Stichworte in Google geworfen und siehe da: die Zeit hat auch darüber berichtet. Die Welt hat auch noch ein paar Hintergrundinformationen und in der Süddeutschen sammeln sich langsam Kommentare, die in eine ähnliche Richtung gehen.
Mal ganz davon abgesehen, dass das hier in dieser Form gar nicht möglich wäre, musste ich zwangsläufig an die Kündigungsfälle denken, die vor wenigen Monaten ganz Deutschland empörten und in Zeitungen und TV-Sendungen bis zum Erbrechen analysiert wurden: gekündigt wegen einer Frikadelle, wegen Pfandbons, wegen Maultaschen und ähnlicher Bagatelldelikte.
Vergleichen wir doch mal beide Fälle: in beiden wurden Kündigungen aufgrund eines vermeintlichen Fehlverhaltens ausgesprochen. Im einen Fall geht es um angeblichen Diebstahl (wobei das in den einzelnen Fällen sicherlich auch eine Definitionssache ist), im anderen um das vermeintliche Ergebnis der Arbeit.
Als einigermaßen aufgeklärter Mensch sollte man wissen, dass Schulleistungen, insbesondere in Form von schulübergreifenden Lernstandserhebungen, von sehr vielen Faktoren abhängen. Zu diesen kann sicherlich auch der Lehrer gehören, viel mehr geht es aber um die soziale Herkunft bzw. das Elternhaus. Die Leistung eines Lehrers kann also gar nicht allein am Lernerfolg der Schüler belegt werden. Auch ein guter Lehrer kann niemals einen Schüler, der mit rudimentären Deutschkenntnissen eingeschult wird, auf das Level eines anderen Schülers bringen, der mit 6 Jahren seinen ersten Harry Potter-Roman gelesen hat.
Es ist wahrscheinlich klar, worauf ich hinaus will: die Kündigung einfacher Arbeiter aufgrund eines Bagatelldeliktes ist ein großer Aufreger, die ungerechtfertigte Kündigung von Lehrern dagegen belustigend und nachahmenswert.
Kranke Welt. Aber nach dem “Lehrerhasser-Buch” sicherlich auch nicht überraschend.