Botschaften im Briefkasten

Von laura, 17. Februar 2010 18:38

Im Briefkasten fand sich heute das hier:

Foto am 17-02-2010 um 17.21.jpg
Uploaded with plasq’s Skitch!

Soweit nichts besonderes. Ein netter Briefträger, der eine kurze Nachricht hinterlassen hat, dass er etwas bei der Nachbarin abgegeben hat.
Als ich dann aber noch eine Zeitschrift aus dem Briefkasten nahm, wurde die Sache mysteriös:

Foto am 17-02-2010 um 17.30.jpg
Uploaded with plasq’s Skitch!

Falls man es nicht erkennt: dort steht vorne draufgekritzelt:
“I’m not going back to work!
I’m not
I’m not
I’m not”

Was will mir das sagen? Und warum liegt das in meinem Briefkasten? Und was soll ich jetzt tun? Und wer geht da überhaupt an meine Post und schreibt irgendwelche dämlichen Botschaften drauf?

Zum Glück wurde mir wenig später klar, dass da auf der Zeitschrift zufälligerweise auch ein Notizblock zu sehen ist und das wohl zum Coverdesign gehört. Glück gehabt.

Starsinniger Kundenservice

Von laura, 11. Januar 2010 15:55

Seit längerem liebäugle ich mit einem kleinen digitalen Camcorder. Nichts professionelles, eher eine hochwertige Handykamera, mit der man einfache Filmchen drehen kann. Nach ein wenig Recherche im Netz standen zwei Modelle zur Auswahl: die Kodak Zi8 oder eine Cisco Flip und nach weiterer Recherche, ob ich so ein Spielzeug überhaupt brauche und ob ich sie mir überhaupt leisten kann, wollte ich sie natürlich haben. Der Versuch eine davon im Laden zu kaufen scheiterte. Selbst bei den beiden großen Elektrogeschäften der Metro Group gab es nur die veraltete Zi6 zum Preis der Zi8 und die ebenso veraltete Flip Mino (nicht HD).

Während ich dann durch die Angebote klickte, stolperte ich bei Amazon über einen erstaunlich niedrigen Gebrauchtpreis für die Zi8. Umso erfreuter war ich, dass dieses Angebot auch noch ein “Warehouse Deal” war, also eine von Amazon überprüfte und getestete Retoure zu einem günstigeren Preis. Ich konnte nicht widerstehen und bestellte.
Ich wartete einen Tag, zwei Tage, drei Tage und als schließlich die angepeilte Lieferzeit überschritten war, fragte ich doch mal nach, wann denn meine Kamera verschickt wird. In diesem Fall via Kontaktformular, da auf der Seite vor langen Wartezeiten an der Hotline aufgrund eines technischen Problems gewarnt wurde.
Die erste Antwort kam schnell: “Wir überprüfen das” in Textbausteinen.
Nach zwei Tagen erhielt ich dann die nächste Nachricht: “Ihr Liefertermin wurde geändert” in Textbausteinen. Die Begründung ebenso: “Lieferanten können nicht immer ihre Termine einhalten”. Häh?

Nicht dass ich erwartet hätte, dass es irgendetwas bewirken würde, aber ich musste dann doch mal dort anrufen. Der junge Mann entschuldigte sich zwar erst, wirkte aber leicht genervt und überfordert als ich ihm mitteilte, dass ich nicht verstehe, wie ein offensichtlich vormals vorrätiger Artikel, der laut Beschreibung auf Vollständigkeit und Funktion überprüft wurde, nun erst in 2 Wochen verschickt werden kann. Nach einer kleinen Diskussion war die Aussage letztendlich: “Wir haben keinen Einfluss auf unsere Versandlager”. Aha.

Als ich dann, mittlerweile doch verärgert, noch einmal in mein Amazon-Konto ging, um die Bestellung zu canceln, sah ich ein weiteres Angebot: wieder “Warehouse Deals”, gleiche Beschreibung, gleiche Kamera, gleicher Preis, nur eine andere Farbe. Ach ne!
Nicht dass es damit bewiesen wäre, aber unwahrscheinlich ist es sicherlich nicht, dass dort einfach ein Fehler passiert ist und man das Angebot in einer falschen Farbe eingestellt hat. Warum man mich dazu nicht einfach kontaktiert und fragt, ob ich auch damit zufrieden wäre, bleibt Amazons Geheimnis. Selbst wenn dem nicht so ist (also keine Verwechslung vorliegt), wäre es ja naheliegend gewesen, mir einfach die andere Kamera anzubieten, um die Lieferzeit einzuhalten. Und wenn das wiederum nicht möglich gewesen wäre, weil es dazu keine passenden Textbausteine gab, hätte man mich ja wenigstens an der Hotline auf das Angebot hinweisen können. Aber das hätte vermutlich zu lange gedauert und den Kundenumsatz der Hotline nach unten verschoben…

Little Arbeiterkind in the big Akademikerwelt

Von laura, 5. Januar 2010 12:09

Dass die WAZ (man möge mir verzeihen), nicht immer für Qualitätsjournalismus steht, ist kein Geheimnis. Aber mit dem aktuellen Artikel aus dem Uni-Leben ist mal wieder so ein Werk entstanden, das mit einem klassischen Rollenbild kokettiert, ohne dieses ein wenig zu hinterfragen: “Arbeiterkind lebt in der Uni in zwei Welten”.

Darin geht es um eine Studentin, die, wie der Titel bereits sagt, als Arbeiterkind an die Ruhr-Uni Bochum kommt und sich dort unter all den Akademikern nur schwerlich zurechtfindet. Und irgendwann kommt ihr Traumprinz und rett…. Ach nein, das war  etwas anderes. Jedenfalls sucht dieses Arbeiterkind nach Hilfe und fand diese letztendlich bei/über arbeiterkind.de.
Soweit so gut.
Dass sich dort Leute finden, die eine Übereinstimmung in ihrem “Background” fesgestellt haben, ist lobenswert, insbesondere wenn man sich dort gegenseitig helfen kann. Allerdings frage ich mich, ob die Situation nicht recht ähnlich wäre, wenn sich dort Blondinen oder Besitzer von Mischlingshunden firmieren würden, sprich: eine Zusammenkunft von Menschen, mit denen man sich in irgendeiner Weise identifizieren kann und die gegebenenfalls älter/erfahrener sind als man selbst.

Um mal aus meiner Erfahrung zu berichten: ich bin kein Arbeiterkind, hatte aber trotzdem keine Eltern, die mir aus ihrem Erfahrungsschatz berichten konnten, wie ich in der Mensa mit Plastikgeld bezahle (das hätte ich auch leicht befremdlich gefunden, denn die Karten wurden erst in dem Jahr eingeführt, an dem ich zur Uni kam). Ich habe schlicht und einfach nachgefragt, mich im Internet informiert oder andere beobachtet. Auch hat mir niemand geholfen, Mails an Professoren zu formulieren, aber dass ein förmlicher Brief im Normalfall mit “Sehr geehrte(r)” anfängt, wusste ich noch aus der Schule und konnte mir mit Hilfe eines gesunden Menschenverstandes auch den Rest zusammenreimen. Für meine Vorlesungen interessiert sich ebenso niemand in meiner Familie – was allerdings auch damit zusammenhängen mag, dass schon die Titel häufig Verwirrung auslösen (“Wie? Neuroinformatik? Neuro sagt mir was, Informatik auch, aber wie passt das zusammen?”).

Wenn ich unter meinen Kommilitonen herumschaue, weiss ich von kaum jemandem den Beruf  der Eltern. Das war nie ein Thema, es sei denn es war offensichtlich (“Heute abend muss ich bei meinen Eltern im Restaurant helfen”). Ohnehin hatte ich an der Uni zum ersten Mal den Eindruck, dass nicht mehr zählt, woher ich komme, sondern wer ich nun bin. Das war ganz erfrischend nach dem Besuch eines Gymnasiums mit einer Menge Lehrerkindern, deren Eltern unsere Lehrer aus dem gemeinsamen Studium oder auch aus dem Lions Club kannten.

Der Beginn des Studiums ist und bleibt ein starker Einschnitt ins Leben. Nachdem der Schulweg bei vielen zwar nicht vorbestimmt, aber zumindest durch die Schulleistung festgelegt wurde, ist der Weg an die Uni die erste eigene und meist auch freie Entscheidung und daher auch häufig mit einer Menge Unsicherheit verknüpft. Nicht wenige wohnen nun nicht mehr bei den Eltern, haben niemanden mehr im Alltag um sich, der sich in das eigene Leben einmischt – ich kann mich z.B. daran erinnern, dass ich es in den ersten Wochen sehr befremdlich fand, wochentags bis mittags im Bett zu liegen und wirklich niemand war da, der einen Kommentar abgab oder mir versuchte ein schlechtes Gewissen zu machen. Und ich weiss, dass es Kommilitonen nicht anders ging. Viele haben erst einmal ein Semester zur Orientierung gebraucht und das völlig unabhängig von ihrem sozialen Background.

Und was ich letztendlich damit sagen will: die Geschichte von Christin könnte man genau so mit anderen vermeintlichen Randgruppen schreiben. Frauen, die Physik studieren, Männer die Grundschullehrer werden wollen, Studenten aus dem Ausland, türkische Migranten, körperlich beeinträchtige (behinderte) Studenten, Studenten mit Lernschwäche, AD(H)S, Depressionen, Angststörungen… für nahezu jeden wird sich etwas finden lassen, das ihn zum vermeintlichen Aussenseiter macht. Wenn all diese eine entsprechende Lobby hätten, würde der Artikel genauso aussehen. Nur wenige Worte wären zu ersetzen und schon würde der Artikel über Legastheniker in der Akademikerwelt berichten.

Leichtsinn

Von laura, 15. Dezember 2009 20:45

Seitdem ich vor mehr als einem Jahr über eine grüne Ampel fuhr und so ziemlich im gleichen Moment einen Linksabbieger sah, der mit recht hoher Geschwindigkeit von der Seite kam, habe ich schon öfters mal darüber nachgedacht, dass man auch als vernünftig und vorausschauend fahrender Autofahrer schnell einmal so richtig Pech haben kann. Auch wenn man (so oft es geht) die Dummheit der anderen Verkehrsteilnehmer einkalkuliert. Damals war es nur ein kleiner Kratzer, die gegnerische Versicherung hat problemlos gezahlt und die Sache war vergessen. Trotzdem war es eine Menge Aufwand: Kostenvoranschlag holen, Formulare ausfüllen, herumtelefonieren und das alles nur, weil ein Volldödel sich bzw. den Verkehr überschätzt.

Was ich aber heute etwa 5m hinter meiner Stoßstange gesehen habe, setzt dem Leichtsinn die Krone auf: ich stand auf einer drei-spurigen Straße, davon eine Spur eine Linksabbieger-Spur. Die Autos stauten sich auf den beiden Geradeaus-Spuren vor der roten Ampel. Gerade als weitere Fahrzeuge von hinten kamen, schießt ein Auto vom Gelände einer Tankstelle und knallt mit einem Affenzahn in ein Fahrzeug, das auf der Linksabbieger-Spur fährt. Und das nicht irgendwie knapp an die Stoßstange, sondern im 90-Grad Winkel in die Seite.
Offensichtlich wollte der Mann noch kurz vor den herannahenden Fahrzeugen  auf die Spur kommen – wie man sich dabei aber so verschätzen kann, ist mir unklar.
Ich bin nur froh, dass ich nicht ein paar Meter weiter hinten stand. Sonst hätte ich wohl auch noch eines der zusammengeschobenen Fahrzeuge im Kofferraum gehabt.

Abschied vom unbekannten Nachbarn

Von laura, 12. Dezember 2009 13:42

Merkwürdige Begegnungen hat man hier im Ruhrgebiet öfters mal. Das, was ich grade erlebt habe, würde ich aber schon in die Kategorie “bizarr” einordnen.

Ich war kurz einkaufen, parke auf der Straße, steige aus, öffne den Kofferraum, da höre ich plötzlich eine Stimme: “Hey, Sie!”. Durch meinen Kopf rauscht schon das übliche “Boah, ich kaufe nichts, habe keinen Fernseher, will keine kostenlosen Abos  und mein Auto auch nicht verkaufen, lass mich bloss in Ruhe”-Schema und der Herr, der mich da anspricht, legt auch entsprechend los: “Wohnen Sie hier?”.
Ich: “Das kommt darauf an, warum Sie das wissen wollen.”
Er: “Ja, es ist nur so, ich ziehe hier weg und ich habe Sie schon öfters hier gesehen. Ihr Auto parkt ja auch meist hier. Und ich wollte mich jetzt verabschieden!”.
Ich: “Jo, dann tschüss und guten Umzug!”.
Er: “Danke! Schöne Zeit hier noch!”.
Sprachs und verschwand in einem weißen Kleintransporter.

Verpackungskünstler

Von laura, 24. November 2009 16:44

Ich gebs ja zu: ich gehöre auch zu den Menschen, die ihren halben Hausstand bei amazon.de kaufen. Das hat insbesondere damit zu tun, dass die Abwicklung unheimlich einfach ist und man mit Amazon-Prime alles ohne zusätzliche Kosten am nächsten Werktag geliefert bekommt.

Was mich aber immer mehr wundert, ist die mangelhafte Verpackung der Artikel. Schon mehrmals war ich verärgert, dass man zumindest unzerbrechliche Artikel meist ohne jegliche Polsterung verschickt. Direkt kaputt geht da nichts, aber sonderlich toll finde ich es auch nicht, wenn ich mein bestelltes Paar Schuhe in einem Karton erhalte, der etwa vier Mal so groß ist wie der darin enthaltene Schuhkarton und die Schuhe somit einzeln darin herumfliegen. Auch ein recht dickes und teures Fachbuch wurde einfach in diesen typischen Pappumschlag gepresst, so dass man fast mit der Lektüre beginnen konnte, ohne die Verpackung zu öffnen.
Ich habe  zu allen Sendungen ein entsprechendes Verpackungs-Feedback abgegeben.

Offensichtlich aber ohne Wirkung, denn heute erreichte mich die Krönung der Verpackungskunst: die “See-Through-Hülle” (schlechtes Foto, aber das Problem wird wohl deutlich).

amazon

Die Reklamation war einfach, schon morgen werde ich eine Ersatzlieferung erhalten. Verwundert hat mich aber der Kommentar des Hotliners, als er sich nach meiner Schilderung meine Bestellung ansah: “Oh ja, das kann natürlich sein, aus den Umschlägen fällt so etwas öfters mal raus!”. Was dann genau den Eindruck bestätigt, den ich schon länger hatte: man kalkuliert offensichtlich gezielt ein, dass Ware beschädigt bzw. gar nicht ankommt, weil es sich offensichtlich letztendlich rechnet.
Und ich muss nun noch bis morgen auf meinen neuen Würfel warten.

Panorama Theme by Themocracy